Die Halbinsel Falsterbo ist das skandinavische Drehkreuz für Millionen von Zugvögeln auf ihrem Weg nach Süden. Im September 2025 habe ich diesen besonderen Ort besucht. Auch wenn ich keine riesigen Schwärme zu Gesicht bekam, konnte ich doch einiges Gefieder beobachten, das ich bisher noch nicht in Natura gesehen hatte.
Die Halbinsel ist Teil der Gemeinde Vellinge, zu der unter anderem die Orte Ljunghusen, Höllviken und Skanör med Falsterbo gehören. Mein Weg führte mich zuerst auf das Falsterbo Camping Resort. Viele Camper schlagen hier gezielt wegen der Vogelbeobachtung ihre Zelte auf – man erkennt sie sofort an den Spektiven und Ferngläsern, die sie mit sich führen.
Gleich neben dem Campingplatz beginnt das Naturreservat Skanörs Ljung. Hier wie auch in den übrigen Reservaten gilt vom 1. April bis 15. Juli ein Betretungsverbot. Im Reservat Måkläppen erstreckt sich dieser Schutz zum Wohle der Robben sogar bis Ende Oktober. Aktuelle Hinweise findest du beim Länsstyrelsen Skåne.
Ein wichtiger Hinweis für Fotografen: An der Südseite von Skanörs Ljung liegt ein militärisches Gelände. Hier ist das Fotografieren – selbst der Hinweisschilder – strikt verboten. Folgt man jedoch dem Waldweg um das Gelände herum, gelangt man zu einer Beobachtungsplattform mit Südblick. Zudem gibt es an der nördlichen Spitze des Militärgeländes einen Turm, von dem aus man das gesamte Heideland bis zur Provinzstraße 100 überblicken kann.
Mit etwas Glück zeigen sich hier Greifvögel. Mir ist das nur einmal gelungen: Ein Adler saß am Boden, allerdings etwa 800 Meter entfernt – für ein ordentliches Foto leider zu viel Distanz.
An der Westseite der Halbinsel liegt das Naturreservat Flommen. Es ist ein vielseitiger Ort, an dem Radfahrer, Wanderer, Badegäste und Golfspieler aufeinander treffen. Auch wenn die Gegend für ihre berühmten bunten Badehütten bekannt ist, zog es mich aus einem anderen Grund hierher: die Beobachtung der Wasservögel.
In den flachen Gewässern und Wiesen von Flommen konnte ich die Gelegenheit nutzen, um Kormorane, Schwäne und verschiedene Entenarten zu beobachten. Auch Nonnen- und Graugänse ließen sich hier wunderbar in ihrer natürlichen Umgebung ablichten.
Meine Touren auf der Halbinsel habe ich komplett mit dem Fahrrad zurückgelegt – für mich die entspannteste Art, die Gegend zu erkunden. Man ist deutlich flexibler und entdeckt Motive, an denen man mit dem Auto glatt vorbeigefahren wäre.
So ergaben sich zum Beispiel in Höllviken spontane Fotogelegenheiten direkt am Wegesrand: In den dortigen Flachwasserzonen konnte ich Kiebitze und Rotschenkel beobachten und fotografieren.
Wer dennoch lieber mit dem Auto anreist, findet (zumindest im September) problemlos Parkplätze. Das lag sicher auch daran, dass ich erst in der Woche nach der jährlich stattfindenden "Falsterbo Bird Show" anreiste. Da das große Event bereits vorbei war, herrschte eine angenehme Ruhe und es waren deutlich weniger Leute vor Ort als ich erwartet hätte.
Neben der Vogelbeobachtung bietet die Region auch spannende Einblicke in die Geschichte. Ein kleines „Kulturprogramm“ zu den Wikingerburgen der Umgebung ist eine willkommene Abwechslung: Das Fotevikens Museum und die Trelleburg im nahegelegenen Trelleborg sind hier die erste Wahl. Obwohl Foteviken bei meinem Besuch saisonbedingt bereits geschlossen war, ließ sich die Außenanlage durch ein „Hintertürchen“ dennoch ein wenig erkunden.
Ein obligatorisches Ziel ist zudem Smygehuk (Sveriges sydligaste udde). Das Kap liegt etwa 15 Kilometer östlich von Trelleborg und markiert Schwedens südlichste Landspitze. Es ist ein besonderes Gefühl, dort an der Küste zu stehen, wo das Land endet – ein perfekter Ort, um die weite Sicht zu genießen und die Tour Revue passieren zu lassen.
Falsterbo hat mich mit seiner weiten Landschaft und der ständigen Bewegung am Himmel tief beeindruckt. Auch ohne die ‚perfekte‘ Ausbeute an Nahaufnahmen nehme ich einige neue Arten und noch mehr Ruhe im Gepäck mit nach Hause.
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